Ist das so? „Weniger“ klingt ja zunächst nicht gut – jedenfalls wenn von der kirchlichen Stel­lenplanung die Rede ist: Weniger Gemeindeglieder, weniger Geld, weniger theologischer Nachwuchs, weniger Pfarrstellen. Manche haben wohl in der Zeitung von der Kirchenkreissy­node am 20. April gelesen, die den Stellenplan für die Zeit bis 2028 beschlossen hat.

Was da beschlossen wurde, ist nicht „vom Himmel gefallen“. Anfang 2021 hat der Kirchen­kreis Grafschaft Diepholz (wie alle anderen Kirchenkreise auch) erfahren, welche Vorgaben die Landeskirche für die notwendigen Einsparungen bis 2028 macht: Um den Gegenwert von 2,75 Pfarrstellen müssen die Personalausgaben bis 2028 schrumpfen. 0,75 Stellen muss un­sere Region „Mitte“ dazu beitragen. Dazu gehören die Kirchengemeinden der Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ (Brockum, Burlage, Lemförde), der Samtgemeinde Rehden (Barver, Rehden-Hemsloh, Wetschen) und der Gemeinde Wagenfeld, also Ströhen und Wagenfeld. Wie die anderen beiden Regionen haben wir vom Kirchenkreis die Aufgabe bekommen, mit Unterstützung durch die Gemeindeberatung Vorschläge zu erarbeiten, wo denn die nötigen Einsparungen erbracht werden sollen.

Fünfmal haben sich im Lauf des vergangenen Jahres Abgesandte aus den acht Kirchenvor­ständen unserer Region getroffen – mal in Videokonferenzen, öfter aber „live und in Farbe“. Am Ende haben sich die Kirchenvorstände mehrheitlich für folgendes Modell ausgesprochen: Wir werden bei den Pfarrstellen sogar mehr einsparen, als wir müssten – nämlich 1,25 Stellen. Im Gegenzug „gönnt“ sich die Region eine Stelle für einen Regionaldiakon, der nach und nach in allen Kirchengemeinden der Region für die Arbeit mit Konfis und Jugendlichen zu­ständig ist.

Warum „nach und nach“? Abgesehen davon, dass die Pfarrstellen in Lemförde und in Ströhen momentan unbesetzt sind, soll in die bestehenden Stellenbesetzungen nicht eingegriffen wer­den. Denn wir haben ja Zeit bis 2028. So wird die Kürzung der Pfarrstellen in Ströhen und Wagenfeld (0,75 Stellen) erst wirksam, wenn Ehepaar Steinmeyer in den Ruhestand geht (vo­raussichtlich im Herbst 2027). Auch Pastorin Haarnagel (Wetschen) wird bis dahin voraus­sichtlich pensioniert sein; und die Pfarrstelle in Wetschen (0,5) bleibt dann unbesetzt. Die Kir­chengemeinden am Dümmer behalten ihre zwei Pfarrstellen; denn zum einen haben sie in früheren Kürzungsrunden einen größeren Beitrag erbracht als wir, zum anderen „opfert“ Lemförde einen Teil seiner bisherigen Diakonenstelle für den Regionaldiakon.

So bleiben unseren beiden Kirchengemeinden ab 2028 noch zusammen 1,5 Pfarrstellen. Jetzt aber konnten wir die Pfarrstelle in Ströhen noch einmal als volle Stelle ausschreiben. Bewor­ben hat sich bisher leider niemand (in Lemförde übrigens auch nicht). Inzwischen arbeiten die Kirchenvorstände aus Ströhen und Wagenfeld an der Bildung einer Gesamtkirchengemeinde, der die beiden örtlichen Kirchengemeinden als Mitglieder angehören. So hoffen wir dazu bei­zutragen, dass ab 2028 sowohl im Ströher Pfarrhaus als auch in einem der beiden Wagenfelder Pfarrhäuser weiterhin „das Licht brennt“. Und wir hoffen, dass aus „weniger“ Pfarrstellen am Ende „mehr“ wird: Mehr Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen unseren Kirchengemeinden.

Michael Steinmeyer