Jedes Jahr sterben in Deutschland 20000 Kinder und Jugendliche. Zurück bleiben trauernde Eltern, Geschwister, Großeltern und Freunde. Die Selbsthilfegruppe der „Verwaisten Eltern“ ist seit 24 Jahren Anlaufstelle für Familien in der Region, deren Leben sich durch den Verlust eines Kindes für immer verändert hat.

„Je länger das Ereignis zurückliegt, desto weniger haben die Leute Verständnis dafür, dass man immer noch trauert. Aber der Schmerz bleibt“, sagt Susanne Uhlenwinkel. In der Selbsthilfegruppe sind sie sich gegenseitig verständnisvolle Gesprächspartner. Ulla Kirberg: „Wir wissen um die Ängste, Zweifel und Verzweiflung der Betroffenen, man muss nichts erklären.“

„Auch wenn ein Schatten auf meiner Seele liegt, suche ich das Schöne zu finden – einen neuen Weg durch das Dunkel zum Licht hinter dem Horizont.“ Der Spruch von Mara Prochnow ist das Motto, unter das die Verwaisten Eltern in diesem Jahr ihren traditionellen Gottesdienst für die verstorbenen Kinder stellen, den sie seit 2003 regelmäßig am „Welttag für die verstorbenen Kinder“ in Zusammenarbeit mit wechselnden Kirchengemeinden vorbereiten. Er findet am 11. Dezember (3. Advent) um 10 Uhr in der evangelischen Kirche in Twistringen (Martin-Luther-Gemeinde) statt, ist aber nicht konfessionell gebunden, wie Helga Kossinna betont. Die Predigt hält Pastorin Dr. Christina Ernst, den musikalischen Rahmen stecken die „Nicolaier“ aus der Kirchengemeinde Schmalförden.

Seit Anfang September sind die Mitglieder der Gruppe mitten in den Vorbereitungen. Ihr Thema in diesem Jahr: „Licht und Dunkelheit“. Es wird Postkarten geben, auf die die Betroffenen den Namen ihres verstorbenen Kindes schreiben können. Alle Namen werden verlesen, für jeden Verstorbenen wird eine Kerze angezündet. Das sei emotional schwierig, dennoch ziehe man aus diesem Ritual Kraft, sagen die Initiatorinnen.

Der Gottesdienst ist Teil der weltweiten Aktion „Ein Licht geht um die Welt“. Jedes Jahr am 2. Sonntag im Dezember stellen Betroffene aus allen Ländern der Erde um 19 Uhr brennende Kerzen in die Fenster. Während sie in der einen Zeitzone erlöschen, werden sie in der nächsten entzündet – eine Lichterwelle geht innerhalb von 24 Stunden rund um die Welt.

Der Gedenkgottesdienstes ist auch ein Hoffnungszeichen und darüber hinaus ein Stück Öffentlichkeitsarbeit. Helga Kossinna: „Wir freuen uns auf die Gespräche im Anschluss.“ Die Verwaisten Eltern treffen sich einmal monatlich, jeweils am 1. Dienstag im Monat im Gemeindehaus Bruchhausen-Vilsen. Einige kommen für eine gewissen Zeit, andere finden hier dauerhaft Halt. Die Gruppe ist offen für weitere Mitglieder (Kontakt: Helga Kossinna (04243/1323) und Hans-Friedrich Rothschild (04253/ 800766). mks

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