„Zentralafrika weint“, sagte Pastorin Dr. Antoinette Yindjara, Direktorin der Theologenschule in Baboua, bei einem Vortrag in Hannover. Auf Einladung des Evang.-luth. Missionswerkes in Niedersachsen waren sie und ihre Kollegin Rachel Doumbaye, Vizepräsidentin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Zentralafrikanischen Republik,   für zwei Wochen zu Gast in Paris, Hannover, Hermannsburg – und in Wagenfeld. Viele Tränen flossen bei der Begegnung mit den Geschwistern aus dem Kirchenkreis Diepholz: Tränen der Freude über das Wiedersehen und Tränen der Trauer über erlittenes Leid und Unrecht. Was die beiden Pastorinnen in ihren Vorträgen und im persönlichen Gespräch berichteten, lässt keinen Zweifel: Ihr Land muss als „failed state“ bezeichnet werden: Ein Land weithin ohne funktionierende Institutionen, ohne ein leistungsfähiges Bildungs- und Gesundheitssystem; eine Gesellschaft, zerrissen durch den Bürgerkrieg und seine Folgen. Ein Land, dem viele Menschen den Rücken kehren, um sich in einem der Nachbarländer eine neue Existenz aufzubauen.

Die Kirche, so sagten die beiden Theologinnen, hat den klaren Auftrag, Frieden zu stiften – so, wie Jesus es in der Bergpredigt von seinen Jüngerinnen und Jüngern

fordert. Antoinette berichtete von der Arbeit mit traumatisierten Menschen in ihrem Land und vom Beitrag, den katholische, evangelische und muslimische Gemeinschaften zur Versöhnung leisten: „Wer Frieden stiften will, wartet nicht, dass das Gegenüber den ersten Schritt geht, sondern geht ihn selber.“ Rachel verglich die Situation der lutherischen Kirche in Zentralafrika mit der Situation des Volkes Israel im babylonischen Exil: „Gott verheißt den Menschen ein neues Herz; denn er hat kein Interesse am Tod des Sünders, sondern an seiner Heilung!“

In ihrer Wagenfelder Predigt zur Speisung der Fünftausend schließlich sprach Antoinette von ihrem Vertrauen und ihrer Hoffnung auf Gottes Möglichkeiten, die größer sind als unsere. Mit diesem Vertrauen und mit dieser Hoffnung, aber auch mit der Bitte um unsere Gebete und um Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft kehrten Antoinette und Rachel in ihre Heimat zurück.

Pastor Michael Steinmeyer, Vorsitzender des Partnerschaftsausschusses im Kirchenkreis Grafschaft Diepholz

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