Immer wieder ist in letzter Zeit von pflegefreien Flächen oder pflegefreien Gräbern auf Friedhöfen die Rede. Was genau bedeutet das?
„Pflegefrei“ bedeutet, dass sich die Angehörigen nicht selber um die Pflege des Grabes, das sie für ihre Angehörigen „gekauft“ haben, kümmern müssen. Sie bezahlen bereits für 30 Jahre im Voraus die Grabpflege. Der Kirchenvorstand bestellt Firmen, welche die Gestaltung vornimmt und die Pflege ausführt.

 

Welche Flächen auf unseren Wagenfelder Friedhöfen betrifft das?
Auf dem neuen Friedhof bestehen Gemeinschafts- und Partnergrabflächen, auf denen Erdbestattungen vorgenommen werden können.
Auf dem alten Friedhof besteht seit kurzer Zeit der „Antonius-Garten“, in dem Urnenbeisetzungen in Beeten und unter Lindenbäumen möglich sind

 

Viele Nutzungsberechtigte entschließen sich, ihre Verstorbenen auf einer pflegefreien Grabstätte beisetzen zu lassen, weil sie an die Zukunft denken: „In 15 oder 20 Jahren bin ich zu alt, um das Grab noch selber zu pflegen.“ Solange sie aber noch dazu in der Lage sind, hätten sie gern eigene Gestaltungsmöglichkeiten. Warum kann die Kirchengemeinde als Trägerin der Friedhöfe das nicht zulassen?
Bei der Gestaltung der Grabflächen wird eine Dauer-Bepflanzung vorgenommen, die kalkulatorisch alle zehn Jahre erneuert werden muss. Die Kosten für die entsprechende Bepflanzung und die Pflege werden für 30 Jahre Liegedauer berechnet und den Nutzungsberechtigten vorab in Rechnung gestellt. Das Ablegen von z.B. großformatigen Totensonntags-Gestecken auf der Bepflanzung führt dazu, dass die Pflanzen unter den Gestecken während der Liegedauer der Gestecke aufgrund von Licht- und Wassermangel eingehen. D.h. eingegangene Pflanzen müssen in der kommenden Saison ersetzt werden, was zu einem uneinheitlichen Bild der Grabfläche und dauerhaft zu einem Anstieg der Anlage- und Pflegekosten führt.

Die Anlage der pflegefreien Flächen wird von Firmen vorgenommen und als ein einheitliches Ganzes konzipiert. Das selbständige Ablegen/Aufstellen von Gegenständen und Setzen von Pflanzen sowie das eigenmächtige Beschneiden vorhandener Pflanzen zerstört das gedachte Erscheinungsbild und führt zu einem bunten Flickenteppich.

Eigenmächtig vorgenommene Gestaltungen erhöhen den Pflegeaufwand der Flächen und führen zu erhöhten Kosten.

Der Antonius-Garten ist für die Beisetzung mehrerer Hundert Urnen konzipiert. D.h. bei höher werdender Belegungsdichte liegen die Urnen dicht an dicht. Wollte nun jeder Angehörige oberhalb der Urne des Verstorbenen etwas abstellen/ablegen, wäre eine Gestaltung und Pflege als Beet nicht mehr möglich.

 

Ist es nicht verständlich, wenn die Angehörigen Namen, Geburts- und Sterbedatum ihrer Verstorbenen sichtbar machen wollen?
Namen, Geburts- und Sterbedaten aller Verstorbenen werden in Wagenfeld sichtbar gemacht – auf den „pflegefreien“ Flächen  geschieht das in Form von Stein- oder Metallstelen, die der Kirchenvorstand in Auftrag gibt.

 

Solange es aber niemanden stört, wenn da jemand z. B. einen kleinen Findling auf ein Grab im „Antonius-Garten“ stellt?
Durch die Entscheidung für eine pflegefreie Grabfläche erklären die Nutzungsberechtigten ihren Verzicht auf Einflussmöglichkeiten bei der Gestaltung und Pflege. Damit verzichten sie ausdrücklich auch auf die Möglichkeit, Gedenksteine, Grablichter, Körbe, Schalen, Dekorationselemente, Bepflanzungen etc. … auf dem Grab aufzustellen bzw. selber vorzunehmen.

Hier gilt „gleiches Recht für alle“: Würde der KV in Einzelfällen gestatten, auf den pflegefreien Gräbern beliebige Dinge aufzustellen/abzulegen, dann könnte und dürfte (!) er es allen anderen Nutzungsberechtigten nicht verwehren. Tatsächlich gibt es schon Beschwerden von Nutzungsberechtigten, die sich an diese Vorgaben strikt halten und nicht verstehen, weshalb andere Nutzungsberechtigte „Sonderrechte“ haben oder zu haben meinen.

 

Und wenn jemand nur einen Blumenstrauß oder ein kleines Gesteck hinlegen will?
Es ist vollauf verständlich, dass trauernde Menschen ihrer Verstorbenen gedenken wollen und gerade an Jahrestagen wie Geburtstag, Sterbetag, Hochzeitstag … ein Zeichen der Liebe und Wertschätzung in Form eines Blumenstraußes auf dem Grab ablegen wollen. Dagegen spricht nichts! Darum ist es erlaubt, kleine Gestecke, Blumengebinde oder Sträuße in entsprechenden Grabvasen auf das Grab zu stellen/zu legen. Diese Angebinde sind temporär und lassen sich ohne großen Aufwand wieder entfernen, wenn sie verwelkt sind.

Dauerhafte Dinge wie Gedenksteine, fest installierte Grablichter, großformatige Schalen und Körbe, Dekorationselemente … sind hingegen nicht zulässig.

Wichtig ist eine Begrenzung in Größe und Menge: Ein kleines Gesteck oder ein Blumenstrauß pro Grab wird niemanden stören. Dass jeder Angehörige eines einzelnen Verstorbenen zu Totensonntag ein Gesteck auf dem pflegefreien Grab ablegt, sprengt allerdings den Rahmen (auf einem pflegefreien Partnergrab nahe der Kapelle liegen z.B. siebe Gestecke! Auf einem Grab nahe am „Hundeort“ stehen und liegen ein Dutzend Dekorationselemente!)

 

Wer „A“ sagt (also sich für eine pflegefreie Grabstätte entscheidet), muss auch „B“ sagen (also von Anfang an auf jede eigene Gestaltungsmöglichkeit verzichten) – trifft das den Sachverhalt?
Ja! Wer sich bewusst für eine pflegefreie Grabfläche entscheidet, der entscheidet sich auch bewusst für den Verzicht auf ein eigenes Gestaltungsrecht. Dieser Verzicht greift vom ersten Tag an und nicht erst dann, wenn Nutzungsberechtigte körperlich nicht mehr in der Lage sind, die Grabpflege zu übernehmen.

Wer sich für ein pflegefreies Grab entscheidet, entledigt sich vom Begräbnis an bis zum Ende der gesamten Liegedauer (30 Jahre) eines Einflusses auf Gestaltung und Pflege. Sie/er geht damit einen Vertrag mit der Kirchengemeinde Wagenfeld als Betreiber der Wagenfelder Friedhöfe ein, und ist an diesen Vertrag ebenso gebunden, wie die Kirchengemeinde an ihn gebunden ist.

Wer einen Vertrag eingeht, ist an alle Vertragsbedingungen gebunden nicht nur an solche, die ihr/ihm gefallen. Wer also bei der Gestaltung und Pflege des Grabes eines Angehörigen selber entscheiden will, der muss sich für ein Wahl- oder Reihengrab entscheiden. Dann hat er/sie volles Gestaltungs- und Pflegerecht für 30 Jahre.

 

Kürzlich war in der Zeitung zu lesen, auf einem kirchlichen Friedhof im Nordkreis seien Nutzungsberechtigte völlig überrumpelt worden, indem ohne jede Vorwarnung alle Gegenstände von „ihren“ pflegefreien Grabstätten entfernt worden seien. Ist das in Wagenfeld jetzt auch zu befürchten?
Nein, das ist nicht zu befürchten. Der KV appelliert zum einen an die Nutzungsberechtigten, sich an die allen Parteien bekannten Vertragsbedingungen zu halten. Zum anderen sprechen wir die Nutzungsberechtigten zunächst an, wenn wir einen Verstoß gegen diese Bedingungen feststellen. Das wollen wir auch zukünftig so halten.