So lange hatte sie gesucht – in jede Tasche gegriffen, in jede Ecke geschaut – zunächst die wahrscheinlichen Orte aufgesucht – und schließlich, weil er einfach nicht zu finden war, auch die unwahrscheinlichsten Stellen im Haus angeschaut, umgedreht, auf den Kopf gestellt ….
Er blieb verschwunden … Am nächsten Tag schaute sie noch einmal nach – und dann, dann fand sie ihn: „den verlorenen Groschen“- so die biblische Geschichte, aus der der Monatsspruch für Oktober stammt. „Groschen“ verlieren wir heute nicht mehr, aber ich suche ziemlich oft: bestimmte Schlüssel, das Portemonnaie, einen Ausweis oder irgendetwas anderes, das ich gedankenverloren ablegte oder vor längerer Zeit bewusst aufgehoben habe, aber diesen Ort vergaß. Wie unfassbar schön ist es dann, wenn das Gesuchte dann doch gefunden wird. „Feierst du mit deinen Nachbarinnen jetzt ein Freudenfest?“ fragte mich mein Mann, als ich meinen Führerschein wiederfand, der in der Handtasche in eine Mappe gerutscht war, die ich lange nicht brauchte. So machte es jedenfalls jene Frau in der biblischen Geschichte, als sie ihren Silbergroschen wiederfand. Ihre Freude war riesengroß – sie wollte sie teilen und lud die Nachbarinnen zum Feiern ein. So eine riesige Freude gibt es nicht nur bei einem Menschen, der etwas wieder findet, sondern auch über einen Menschen, der umkehrt; der einsieht, was er oder sie falsch gemacht hat – der „Buße tut“.

 

Monatsspruch: Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut. Lukas 15,10
Ein Sünder, der Buße tut“ – das klingt erst einmal nicht so bemerkenswert – vielleicht „erfreulich“, aber nicht nach riesiger, festlicher Freude, sondern irgendwie anstrengend. Wofür musste er überhaupt büßen?
Am 1. Oktober feiern wir Erntedank. So vieles haben wir gesät: Liebe und Frieden – aber auch Gleichgültigkeit und Hass; Gerechtigkeit und Vertrauen, aber auch gegenseitige Schuldzuweisungen und Ängste. Stellen wir uns ein himmlisches Erntedankfest vor: Die Engel schauen, wer welche Ernte mitbringt. Da gibt es tolle Erntegaben: Menschen, die jahrelang ehrenamtlich aktiv sind; Politiker, die ihre Wahlversprechen halten und das Wohl aller im Blick haben; Familien, die Konflikte austragen ohne daran zu zerbrechen – und auch Menschen, die wieder nach Gott fragen, ihn suchen und sich von ihm finden lassen wollen; Menschen, deren Leben in einer Sackgasse steckte, und die nun wieder Hoffnung haben – worüber würden sich die Engel Gottes unfassbar freuen?
Nicht nur als Pastorin freue ich mich über jeden Menschen, der Gott nicht verliert oder ihn wieder findet. Jeder Kirchenaustritt zeigt mir: Irgendwie ist die Beziehung zu Gott – jedenfalls wie sie die christliche Kirche vermittelt – verloren gegangen. Verlieren – und suchen – immer wieder….
Gut, wer sich finden lässt – und wer etwas findet! Ich freue mich nicht nur über einen Wiedereintritt – sondern über jeden Menschen, der sich von Gott finden lassen und in seiner Liebe leben will.
Ein gesegnetes Erntedankfest und Engel, die Grund haben, sich über Sie / Dich zu freuen, wünscht

Ihre / Eure

Edith Steinmeyer

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