„Bleibt gesund!“ – noch nie habe ich diesen Wunsch so oft gehört und gelesen, wie in den letzten Monaten. Dabei erlebe ich keineswegs mehr Kranke als sonst. Doch die mögliche Infektion durch das „Corona-Virus“ ist allgegenwärtig. Manchmal erwische ich mich selbst dabei, dass ich sage: „und bleib gesund!“ Dann denke ich: Schluss jetzt. Denn weder will ich, dass der Wunsch nach Gesundheit zur Floskel wird, sondern ernsthaft bleibt; noch möchte ich, dass „gesund sein“ als das Allerwichtigste im Leben angesehen wird. Natürlich ist es wunderbar, gesund zu sein. Doch viel wichtiger finde ich die Fähigkeit, mit Erkrankungen leben zu können. Denn ein Leben ohne Erkrankungen gibt es auf dieser Erde nicht. Tja – wer ist wirklich „ganz gesund“? Manche sagen: „Nur derjenige, der nicht lange genug untersucht wurde …“ So schön und erstrebenswert Gesundheit ist, das Wichtigste ist sie für mich nicht. Da stimme ich sogar Wolfgang Schäuble zu, der offensichtlich sehr aktiv sein kann, auch wenn er im Rollstuhl sitzen muss: Viel wichtiger ist die Würde des Menschen. Diese Würde von allen Menschen unabhängig von Gesundheit und Leistungsfähigkeit achten zu wollen, ist das wichtigste Ziel unseres Grundgesetzes.  Für Christen ist dieses Ziel im Glauben an Gott, der jeden Menschen liebt verankert – unabhängig davon, ob er gesund oder krank, stark oder schwach, dumm oder klug ist. Dementsprechend gilt es in diesen Zeiten nicht nur darauf zu schauen: Wie halte ich Menschen körperlich gesund? Wie können wir dieses Virus begrenzen?, sondern auch: Wie kann ich die Würde des Menschen in dieser Krise bewahren? Ich denke an Worte eines Mannes, der sich für einen Brief bedankt, den er von uns im Hospiz bekommen hat. Auf die Frage, wie es ihm jetzt gehe, kann er sagen: „Es geht mir gut. Dies Hospiz ist für mich wie ein Sechser im Lotto. Ich kann Besuch empfangen und werde sehr gut betreut.“ Natürlich weiß er, dass er bald sterben wird.  Doch gerade weil er sich gut begleitet fühlt, kann er sagen: „Es geht mir gut.“
Als der Prophet Elia erschöpft in der Wüste unterm Ginsterbusch liegt, nur noch sterben will und Gott bittet: „Es ist genug. So nimm nun Herr meine Seele“, da schickt Gott seinen Engel zu Elia. Der stellt ihm Brot und Wasser hin und Elia hört eine Stimme, die ihn ermutigt: „Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“ (1. Kön. 19,7 Monatsspruch Juli)
In dieser „Corona-Zeit“ bekommen die sonst eher unbemerkten „Engel“ wie Pflegekräfte, Verkäuferinnen, Paketboten, Zustellerinnen, … Applaus und Lob. Ob sich diese Anerkennung für sie auch finanziell zeigen wird? Ich hoffe es.
Gesundheit ist wichtig, aber noch wichtiger sind die Menschen, die uns helfen, pflegen, heilen und ermutigen. Nicht nur ein Virus kann uns krank machen, ebenso Isolation und Einsamkeit. Deshalb hoffe ich sehr, dass viele Beschränkungen bald nicht mehr nötig sind und wir – wie Engel – füreinander da sein können. Ich hoffe, dass wir nicht nur „Brot und Wasser“ hinstellen und Abstand halten, sondern direkt miteinander reden, lachen, singen, beten, umarmen, … können – so wie es uns jeweils gut tut. Doch ich ahne: Wir haben „einen weiten Weg vor uns …“.

Gesegnete Tage in Gesundheit und Krankheit wünscht Ihnen / Euch
Edith Steinmeyer