Bunt geht es zu in den Straßen von Jerusalem. Menschen aus aller Herren Länder sind zusammengekommen. An die¬sem Tag – „Pfingsten“ nennen wir ihn – kommt Gottes Geist, Gottes Kraft über die Jüngerinnen und Jünger Jesu. So hat er es ihnen verheißen, als er ihnen erschienen ist – direkt nach Ostern, als sie ihn tot glaubten. Von ihm beginnen sie zu erzählen. Dazu hat er sie gesandt – so wie Gott, der Vater, ihn gesandt hat. Genau das tun sie jetzt, die Gesandten, die Apostel. Und alle – woher auch immer sie kommen und welche Sprache auch immer sie sprechen – können sie verste¬hen. Viele staunen darüber, lassen sich überzeugen und taufen. Aber manche wittern einen ganz anderen Geist dahinter: „Die sind doch betrunken“, meinen sie.

Bunt sind die Masken, die unsere Konfis in Ströhen und Wagenfeld zum Abschluss ihres Vorstellungsgottesdienstes getragen haben. Von Martin Luther King hat dieser Gottesdienst erzählt, dem amerikanischen Pastor und Bürgerrechts-kämpfer; von seinem Traum einer bunten Welt, in der Menschen nicht nach ihrer Hautfarbe beurteilt und in Schubladen gesteckt werden. Anstecken lassen hat er sich vom Geist Jesu, vom Geist der Feindesliebe und Gewaltlosigkeit. Viele haben sich von ihm anregen und mitnehmen lassen. Aber manchen war er ein Dorn im Auge – vor 50 Jahren, im April 1968, wurde Martin Luther King ermordet.

Bunt geht es zu in unseren Dörfern und auf unseren Straßen – bunter als noch vor ein paar Jahren. Menschen aus aller Herren Länder leben mit und unter uns, getrieben von der Sehnsucht nach einem Leben in Freiheit, Frieden und Sicher¬heit. Viele heißen sie willkommen. Aber manche wünschen sich ein „einfarbiges“ Dorf, ein „einfarbiges“ Land zurück. Denn das gemeinsame Leben mit Menschen aus aller Herren Länder hat seine anstrengenden Seiten; es birgt Missver¬ständnisse und Risiken.

In dieser Situation hilft es mir, an den bunten Vogel zu denken, den ich neulich auf der Titelseite eines anderen Gemein-debriefs entdecken konnte. Er steht für Gottes Geist, für Gottes Kraft. Ohne diesen bunten Vogel wären wir keine christli-che Gemeinde, wären wir keine Kirche. Ich vertraue darauf, dass dieser bunte Vogel sich unter uns niederlassen und Wunder wirken will, wie er es vor 2000 Jahren in Jerusalem tat.

Gesegnete Pfingsten!
Ihr
Michael Steinmeyer

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