„Guten Tag“ oder „Hallo“, sagen wir, wenn wir ein Haus betreten und dann folgt ein Händeschütteln oder eine Umarmung – je nach Beziehung. Im Lukasevangelium wird den Jüngern Jesu eine andere Begrüßung vorgeschlagen: „Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!“ (Lk 10,5) „Schalom“ (= Friede sei mit dir) war damals in Israel ein üblicher Gruß. Warum werden die Jünger nun extra dazu aufgefordert, als erstes „Friede diesem Haus!“ zu wünschen? Wussten sie nicht, wie man sich „anständig“ begrüßt? Ich sehe hinter dieser Aufforderung mehr als Sitte und Anstand zu wahren oder nur höflich zu grüßen. Ohne Frieden können wir nicht leben – jedenfalls nicht lange und so, dass wir mit unserem Leben „zufrieden“ sind.
Wir haben zur Zeit so viele furchtbare Bilder vor Augen: Krieg in Syrien, zerstörte Menschen und Häuser in Aleppo, in Mossul, im Irak, im Sudan, in der Ukraine und an vielen anderen Orten;  Attentate in Paris, Istanbul, Berlin, Izmir, Jerusalem… und dazwischen hören wir Nachrichten von Gewalt in Familien, von Raubüberfällen, von Hassmails und Cybermobbing – von Frieden keine Spur. „Aber“ –  werden Sie vielleicht einwenden, ich selbst lebe doch „in Frieden“. Jedenfalls herrscht hier in Deutschland seit über 70 Jahren Frieden. Für diesen Frieden bin ich unendlich dankbar und ich bete jeden Tag, dass es so bleibt. Dieser staatliche Friede ist nicht selbstverständlich. Wie schnell Hassprediger neue Anhänger finden, wie gerne einseitig nach Schuldigen gesucht wird, wie „auf die da oben“ geschimpft wird und v.a. der eigene Vorteil im Blick ist, erleben wir tagtäglich. Ob das damals zu Zeiten Jesu anders war? Vermutlich nicht, denn warum er hätte er sonst zum Friedensgruß auffordern sollen?
Wir können darüber die Schultern zucken und denken: „Der Mensch ist nun mal so. Wir können ja doch nichts ändern.“ Wir können uns aber auch vornehmen, alles, was uns für ein friedliches Miteinander möglich ist, zu tun. „Selig sind die Friedensstifter, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“, verspricht Jesus in der Bergpredigt.
Stellen Sie sich doch einmal vor, Sie besuchen jemanden. Sie müssen ihn ja nicht gleich mit einem lauten: „Friede sei mit dir!“ überraschen. Aber bevor Sie auf den Klingelknopf drücken, halten Sie kurz inne und wünschen den Bewohnern des Hauses „Frieden“. Ich glaube, dieser Wunsch wird etwas verändern; vielleicht nicht die Hausbewohner, aber Sie selbst. Denn wer von Herzen Frieden wünscht, ist selbst bereit, dementsprechend zu handeln. So kann der Friede sich ausbreiten: von mir – zu dir – zu meinen Nächsten und Übernächsten; zu Freunden, Freundinnen und Fremden; ja sogar zu denen, die Sie recht wenig leiden können und wo es ein Wunder braucht, dass sich ein zufriedenes, friedliches Miteinander einstellt.
Die Energie zu einem friedlichen Miteinander liegt in jedem Einzelnen von uns. Gott hat sie uns geschenkt. Wir können Frieden herbei wünschen, selber Frieden finden und entsprechend handeln: vor einer Haustür – in einem aufwühlenden Gespräch – im Gebet – im Straßenverkehr – in Schule und Beruf – in einer politischen Debatte – beim Familientreffen – wo auch immer. Wir können – ja sollen es immer wieder versuchen, denn die Quelle des Friedens liegt in Gott.
Darauf vertraue ich, wenn meine Friedensbemühungen am Ende sind.
Doch zunächst will ich zuversichtlich weiter gehen, an Türen klingeln, denken oder auch sagen: „Friede sei diesem Haus!“

Ein friedliches und zufriedenes Miteinander in der Welt und in den Familien wünscht Ihnen / Euch
Edith Steinmeyer

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