Na, auch wieder ein paar Pfund zugelegt über die Feiertage? Ich schon. Und das Problem ist: Was ich mir zwischen Weihnachten und Silvester anfuttere, werde ich auch zwischen Neujahr und Weihnachten kaum wieder los. Wohin also mit dem Ballast? Im Radio höre ich eine Sprecherin schwärmen von ihrem wochenlangen Fasten – sie meint wirklich Fasten: Mehrere Wochen nichts außer Gemüsebrühe, Gemüsesäften und Wasser. Und ich denke: Wäre das was für mich? Wäre das überhaupt möglich in meinem Berufsalltag – gefüllt mit Besuchen, Ge­sprächen, Sitzungen, die dann oft in gemeinsames Essen münden?

Was den Apostel Paulus belastet, ist nicht sein Körpergewicht. Er leidet darunter, dass er an­gefeindet und angegriffen wird, ja sogar immer wieder ins Gefängnis muss. Warum das alles? Weil er an den auferstandenen Jesus, den Christus, den Messias Gottes, glaubt. Und weil er deutlich davon spricht. Vor seinen jüdischen Glaubensgeschwistern wie auch vor den Anhän­gerinnen und Anhängern der griechischen und römischen Gottheiten. Da bekommt er es  von allen Seiten: Die einen werfen ihm vor, dass er dem Glauben der Mütter und Väter untreu wird; die anderen fürchten, dass er die Autorität des gottgleichen Kaisers untergräbt.

Da denke ich: Der Mann hat wirklich Probleme! Wie gut, dass ich Religionsfreiheit genieße! Natürlich fallen auch mir – abgesehen von meinem Körpergewicht – Dinge ein, die mich be­lasten: Das Klima; Elend, Krieg und Verfolgung an vielen Stellen auf der Welt; Sorgen um die Zukunft unserer Kirche, unserer Gesellschaft, unserer Demokratie; Sorgen um Menschen, die mir nahestehen. Nein, das sind nicht alles nur Luxusprobleme. Aber verglichen mit Paulus, habe ich persönlich doch ziemlich wenig zu tragen und zu ertragen.

Paulus selber allerdings gewichtet noch ganz anders, wie der Monatsspruch für Februar zeigt. Auf der einen Waagschale sieht er das, was er auszuhalten hat – und das ist nicht wenig. Auf der anderen Seite der Waage aber sieht er das, was ihm verheißen ist: Gottes Herrlichkeit. Ein Leben, das frei ist von allem Belastenden. Und diese Verheißung, diese Aussicht wiegt für ihn schwerer als die Last, die er zu tragen hat.

Das weckt in mir einen Wunsch: Auch ich möchte mich und meine Lasten von Gott so leicht machen lassen, wie Paulus es konnte. Ich möchte es leicht nehmen, wenn mir nicht alles auf Anhieb gelingt – und manches auch nie. Ich möchte es leicht nehmen, wenn ich nicht für je­des drängende Problem sofort eine Lösung finde. Ich möchte es leicht nehmen, wenn wir Christenmenschen als naive „Gutmenschen“ oder „Weltverbesserer“ beschimpft werden, weil wir eintreten für Gerechtigkeit, für Barmherzigkeit, für Großzügigkeit, für ein friedliches Zu­sammenleben mit Menschen anderen Glaubens, für die Bewahrung von Gottes Schöpfung. Ich möchte das alles ernst nehmen und doch leicht – weil auf der anderen Seite der Waage Gottes Verheißung liegt, die so viel schwerer wiegt und die mich leicht macht. Und wer weiß: Womöglich finde ich mit dieser Leichtigkeit auf einmal Lösungen für Probleme, die mir un­lösbar erschienen. Womöglich gelingt mir mit dieser Leichtigkeit das, was ich vorher noch nie geschafft habe – auch das Abwerfen von Ballast.

Mein Wunsch zum beginnenden Frühjahr: Gott schenke uns Leichtigkeit!