„Deuteronomium“ – das ist der griechisch-lateinische Name für das Fünfte Buch Mose. Über­setzt heißt das etwa: „Zweites Gesetzbuch“ oder „Zweite Sammlung von Geboten und Wei­sungen“. Eigentlich ist dieses ganze Fünfte Mose-Buch eine lange Rede: Vor seinem Tod wendet Mose sich noch einmal an sein Volk, die Israeliten. Er erinnert sie daran, wie Gott sie aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat; er erinnert sie an die 40 Jahre der Wanderschaft durch die Wüste, die hinter ihnen liegen. Und er erinnert sie an die Gebote, die Gott ihnen gegeben hat, damit das Leben in der Freiheit gelingen kann – darum tauchen hier viele dieser Gebote ein zweites Mal auf.

Mose weiß: Er darf vom Berg aus ins Gelobte Land hinüberschauen; aber er wird es nicht mehr betreten. Gottes Volk muss seinen weiteren Weg ohne ihn als Anführer gehen. Gottes Wort aber  – und damit Gott selber – geht mit. „In deinem Mund“, sagt Mose – also dort, wo Gottes Gebote und Gottes Verheißungen weitergesagt werden, wo an sie erinnert wird. „Und in deinem Herzen“ – also dort, wo Lebensentscheidungen fallen. Fast scheint es, als wäre das „Tun“ dann eine geradezu zwingende Konsequenz: Wer Gottes Wort im Mund und im Herzen trägt, kann doch gar nicht anders, als es zu „tun“, als sein Handeln daran auszurichten, oder?

Nun erleben es die wenigsten Menschen, dass Gott so direkt und unmittelbar zu ihnen spricht wie damals zu Mose. Trotzdem redet Gott mit uns. Gott redet mit uns durch das Wort der Bibel – und dazu gehören für uns Christenmenschen beide: Das Erste Testament, die Bibel unserer jüdischen Glaubensmütter und –väter; und das Neue Testament, das Zeugnis von Jesus, dem Christus. Den übrigens nennt der Evangelist Johannes das Fleisch – also Mensch – gewordene Wort Gottes. Darum sind diese alten, oft sperrigen und manchmal auch wider­sprüchlichen Geschichten und Worte jede Auseinandersetzung und jedes Ringen um Verste­hen wert: Damit sie unser Ohr, unseren Mund und unser Herz finden, dass wir sie tun. Denn durch diese alten Menschenworte redet Gott zu uns.

Gott redet mit uns durch unser Herz. Der Evangelist Matthäus erzählt von den Sterndeutern, die den neugeborenen König nicht im Königspalast von Jerusalem finden, sondern bei Maria und Josef in Bethlehem. Nicht die äußeren Umstände, sondern ihr Herz sagt ihnen: Hier ist der, den sie gesucht haben. Jesus erzählt von dem Samariter, der sich anrühren lässt von der Not des Verletzten am Straßenrand. Er braucht nicht nachzulesen; sondern sein Herz sagt ihm, was zu tun ist: Zum helfenden Nächsten werden, wie Gott es geboten hat.

Gott redet schließlich mit uns durch unsere Lebensgeschichte, an der er mitgeschrieben hat. Manchmal erinnere ich mich: An dieser oder jener Stelle wäre mein Leben ohne Gott, ohne Gottes Wort womöglich ganz anders verlaufen. Damals habe ich das gar nicht gemerkt. Aber jetzt, im Rückblick, entdecke ich es.

Das Wort – Gottes Gebote und Gottes Verheißungen – in meinem Mund und in meinem Her­zen sein lassen und es tun: Das ist womöglich einfacher, als ich oft denke. Im Umgang mit Menschen und vor schwierigen Entscheidungen fragen: Wie verhält sich mein Tun mit Gottes Geboten – vor allem mit diesem: „Du sollst Gott von ganzem Herzen lieben; und du sollst deinen Nächsten, deinen Mitmenschen lieben wie dich selbst?“ Und nicht zu vergessen: Auch wenn ich daran scheitere – Gott lässt sein Wort immer wieder neu ganz nahe bei mir sein, in meinem Mund und in meinem Herzen, dass ich es tue.

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