Liebe Leserinnen und Leser,

„… es lebt sich besser und es stirbt sich besser“, sagte er mir ungefragt, als ich ihn besuchte. Er saß er im Sessel und sinnierte darüber, warum es gut sei zu glauben. Später traf ich ihn im Krankenhaus wieder. Er wartete in einem eigens für ihn aufgestellten Bett neben dem seiner Frau, die noch und doch schon nicht mehr auf dieser Welt war. Danach verlor ich ihn aus den Augen. Das war vor zwanzig Jahren. Sein Satz ist mir geblieben.

In den nächsten Wochen werde ich mir zum Abendgottesdienst wieder den Weg zum Eingang der Kirche suchen müssen. Zwischen den Buden des Weihnachtsmarktes hindurch an vielen Menschen vorbei. Dichtgedrängt stehen sie, Getränke in den Händen, in Gespräche vertieft, über die Politik, den Chef, die Kinder, den Arzt oder die Ex. Manchmal stelle ich mir vor, wie es wäre, wenn man alle diese Gespräche gleichzeitig hören könnte. Wie eine über den Köpfen schwebende Klangwolke von Sätzen, den gesagten, gedachten oder gefühlten, nie ausgesprochenen Worten.

„Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit“, heißt es im Johannesevangelium zu Weihnachten. Von unten vom beleuchteten Markt aus ist nichts zu sehen. Wenn ich in die benachbarte dunkle Straße hineingehe, dann sehe ich den Stern oben im Kirchturm. Er erinnert an den über den Feldern von Bethlehem, dem die Weisen folgten. Und daran, was Glauben heute wie damals bedeutet. Anderes sehen. Unterwegs sein. Etwas erwarten, für sich und die anderen und die Welt.

Die Herrlichkeit Gottes ist verborgen sichtbar. Ganz nah. Manchmal unerwartet nah. Weise, lebensklug ist, wer sie sucht und dem Stern folgt.

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtzeit wünsche ich Ihnen, Ihre

Landessuperintendentin Birgit Klostermeier

 

 

 

 

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