Paulus: Wir kennen ihn als Prediger und Missionar; wir kennen ihn als den, der das Evangelium, die Gute Nachricht von Jesus, dem Christus, nach Europa gebracht hat; wir ken-nen ihn als Autor der Briefe an die Gemeinden in Korinth, in Philippi, in Rom und in anderen Städten des Römischen Reiches. Für Martin Luther war es nicht zuletzt der Römerbrief, der ihm zu entscheidenden Einsichten verholfen hat, die dann 1517 in die Veröffentlichung seiner 95 Thesen mündeten. Paulus: Einer der bedeutendsten christlichen Theologen der Frühzeit.

Darüber wird gern übersehen, was Paulus ebenso wichtig und wertvoll für uns und für das Gespräch mit Menschen jüdischen Glaubens macht: Paulus – mit hebräischem Namen Saul oder Saulus – hat seine jüdischen Wurzeln nie aufgegeben oder verleugnet. Seit es ihn aller-dings vor den Toren von Damaskus buchstäblich vom hohen Ross geworfen hat – so jeden-falls schildert es Lukas in seiner Apostelgeschichte -, ist Paulus überzeugt: Jesus aus Nazareth ist der verheißene Messias, der Christus Gottes. Diese Botschaft trägt er zu seinen jüdischen Glaubensgeschwistern und schließlich auch zu Menschen außerhalb des Judentums.

Mit dieser Botschaft freilich stößt er auf Widerspruch bei denen, die Jesus anders beurteilen. Unmöglich, so sagen sie, kann einer, der am Kreuz gestorben ist, der Christus sein. Und für Unruhe im Volk sorgen Paulus & Co mit ihrer Botschaft auch noch. So wird Paulus festge-nommen und soll sich für das verantworten, was er lehrt und predigt. Unter anderem vor dem jüdischen König Herodes Agrippa und dem Römer Festus, dem Vertreter des Kaisers.

Aus eben dieser Verteidigungsrede, wie Lukas sie schildert, stammt der Monatsspruch für August. Paulus erinnert zunächst daran, dass er den Traditionen seines jüdischen Volkes stets treu gewesen ist. Und dann tut er dreierlei: Er redet erstens persönlich – also von dem, was er selber erfahren hat. Er redet zweitens offen und klar: Er sagt deutlich, woran er glaubt; aber er verschweigt auch nicht, dass er selber zunächst die Anhängerinnen und Anhänger Jesu ver-folgt hat – bis zu jenem Erlebnis vor den Toren von Damaskus. Er steht zu seiner Vergangen-heit und er steht zu seinem Glauben, wie er jetzt ist. Er tut das drittens ruhig, sachlich, über-zeugt, ohne Polemik. Er redet gewinnend und trifft den richtigen Ton, ohne deshalb mit seiner Überzeugung hinter dem Berg zu halten. Einerseits mit Erfolg: Herodes Agrippa und Festus stellen fest, dass sie ihn eigentlich laufen lassen müssten. Andererseits hat Paulus bereits vor-her darauf bestanden, als römischer Bürger vom Kaiser selber angehört zu werden. Nur des-halb, so erzählt Lukas, bleibt er in Gefangenschaft und wird schließlich nach Rom gebracht.

Hier und heute muss niemand befürchten, ihres oder seines Glaubens wegen ins Gefängnis zu kommen. Das Schlimmste, was mir passieren kann, wenn ich zu meinem Glauben stehe, ist doch, als altmodisch, als uncool oder als Spaßbremse zu gelten. Umso mehr bitte ich Gott um etwas von dem Geist, mit dem er Paulus ausgestattet hat: Dem Geist, der mich befähigt, per-sönlich, offen und klar von meinem Glauben zu reden. Und nicht zuletzt: Gewinnend – damit auch die, die meinen Glauben nicht teilen, ihn zumindest achten können.

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