Eins

Gott sprach zu Mose und sagte zu ihm:

»Ich bin Gott. Als Erstes wirst du die Menschen lehren müssen, was das bedeutet. Ich warne dich, es wird nicht leicht sein, weil ich anders bin als alles andere.

  • Manche Menschen werden denken, ich sei ein alter Mann mit einem Haus in den Wolken. Aber du weißt, dass das nicht stimmt.
  • Manche Menschen werden meinen, ich hätte Hände und Füße und einen großen Zeh. Aber du weißt, dass das nicht wahr ist.
  • Manche Menschen werden mich sehen wollen, ehe sie an mich glauben. Aber du weißt, dass das nicht geht, weil ich unsichtbar bin.
  • Deshalb werden manche Menschen meinen, ich sei nirgendwo.
    Aber du weißt, dass ich überall bin.

Mich ein Stück weit begreiflich zu machen ist eine knifflige Sache.

Versuche den Menschen zu erklären, dass ich einen jeden von ihnen einmalig gemacht habe. Sage ihnen, dass ich sie zwar gut gemacht habe, ihnen aber auch die Freiheit gegeben habe, böse zu sein. Ich bin stark, aber ich werde sie nicht daran hindern, falsch zu handeln. Sie müssen lernen, es von sich aus zu unterlassen. Manche Menschen werden meinen, es sei in Ordnung, Unrecht zu tun, weil ich sie nicht daran hindere, aber du solltest sie darauf hinweisen, dass ich sie und ihre Taten im Blick habe, und dass ich ein hervorragendes Gedächtnis besitze. Erkläre ihnen, dass eines Tages jeder von ihnen sterben muss, ohne Ausnahme. Und dann wird seine Seele eine kleine Unterredung mit mir haben. Sag ihnen, dass ich jeden genau so liebe, wie er ist, mir aber dennoch von jedem wünsche, dass er sich geduldig darum bemüht, immer besser zu werden.

Denk auch daran, Mose, den Menschen zu erklären, dass ich es bin, dem sie alles Gute verdanken, das sie je bekommen haben. Erinnere sie, dass ich es bin, der sie aus Ägypten herausgeführt hat, damit sie frei sein können. Ich bin es, der ihnen für ihr Leben eine so gute Welt gegeben hat, und ich bin es, der so drollige Tiere wie das Schnabeltier gemacht hat, damit sie etwas zum Lachen haben.«

 

Mose überdachte, was Gott alles zu ihm gesagt hatte, und meißelte dann diese Worte in den Stein:

Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat; aus dem Sklavenhaus, und ich habe euch das Schnabeltier gegeben.

Dann überlegte Mose noch einmal und löschte den Satz über das Schnabeltier wieder.

 

Zwei

Dann sprach Gott zu Mose und sagte zu ihm:

»Flucht nicht! Die Menschen fluchen, wenn ihnen etwas Missliches zustößt. Und wenn sie beim Fluchen meinen Namen benutzen, werden sie immer meinen, ich bringe ihnen etwas Schlechtes. Das will ich nicht. Wenn du dir einen Stein auf den Fuß fallen lässt, habe nicht ich ihn fallen lassen, deshalb sollst du mir auch nicht die Schuld daran in die Schuhe schieben. Stelle das eindeutig klar: Ich bin die Quelle alles Guten, deshalb ist es einfach nicht recht, meinen Namen zum Fluchen oder Schimpfen zu benutzen.

Ich weiß, dass du jetzt denkst: Wenn Gott die Quelle alles Guten ist, was ist dann die Quelle alles Schlechten? Eine gute Frage, und hier ist die Antwort: Das Schlechte kommt aus zwei Quellen – es kommt von dem Schlechten, das ihr tut, obwohl ich euch gesagt habe, ihr sollt nichts Schlechtes tun, und es kommt von den Löchern in der Welt. Ich habe Löcher in die Welt gemacht, etwa in Form von Krankheiten, damit ihr den klugen Kopf, den ich euch gegeben habe, dazu benutzen könnt, diese Krankheiten zu heilen. Ich habe die Löcher in die Welt gemacht, damit ihr mit eurem Leben auf der Erde etwas Sinnvolles anzufangen wisst.

Merkt euch also von nun an, dass mein Name nicht in einem Fluch gebraucht werden darf. Mein Name soll nur mit Worten zusammen gebraucht werden, die die Löcher in der Welt stopfen helfen, oder mit Ausdrücken wie Danke schön oder Ich liebe dich. Ich weiß, es ist schwer zu kontrollieren, was man sagt, wenn einem ein Stein auf den Fuß fällt, aber versucht es doch einfach mal mit: »Aua!« oder »Jaul!« oder »Verflixt« oder »Donner und Doria!« Bringt niemals meinen Namen mit dem Wort verdammt zusammen. Mein Name ist ein Segen. Du weißt das. Jeder sollte es wissen.«

 

Mose hörte das alles, überdachte es und fasste es in die folgenden Worte zusammen, die er in den Stein meißelte:

Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht. 

 

Drei

Dann sprach Gott zu Mose und sagte zu ihm:

»Sage den Menschen, sie sollen nicht die ganze Zeit arbeiten. Denkt daran, an mindestens einem von sieben Tagen zu ruhen, und dieser Tag soll Sabbat heißen. Sabbat nenne ich ihn, weil dieses Wort Ruhe bedeutet, und um Ruhe geht es an diesem Tag.

Du weißt, was geschieht, wenn ihr die ganze Zeit arbeitet. Wenn ihr das tut, werdet ihr zu schnell alt, zu schnell müde, zu schnell krank! Wenn ihr die ganze Zeit arbeitet, könnt ihr nicht genug Zeit mit euren Kindern verbringen, solange sie bei euch aufwachsen, und wahrscheinlich haben sie dann keine Lust, Zeit mit euch zu verbringen, wenn ihr alt werdet. Wenn ihr die ganze Zeit arbeitet, werdet ihr all die wunderbaren Dinge nicht beachten, die ich der Welt geschenkt habe, damit ihr euch an ihnen freuen könnt. Dinge wie Sonnenuntergänge und Schmetterlinge, Baseball und Karamellbonbons, Spaziergänge durch raschelndes Laub und Tanzen zum Klang der Musik. Dinge wie Spagetti essen oder Maiskolben knabbern, Umarmen oder Küssen oder Verstecken spielen.

Wenn man die ganze Zeit arbeitet, kommt man auch nicht dazu, das, was man hat, mit anderen zu teilen, Menschen zu helfen, die Hilfe brauchen, und Menschen etwas beizubringen, die lernen müssen. Wenn man die ganze Zeit arbeitet, hält einen das davon ab, die Dinge zu tun, die einem helfen, von sich selbst wegzukommen und wirklich zu lernen, den Schmerz und die Freude anderer mitzufühlen.

MUSS ich noch mehr dazu sagen? Arbeit wird euch Geld einbringen, und mit Geld könnt ihr Sachen kaufen, aber Sachen werden nicht die leere Stelle in eurem Herzen füllen, die entsteht, wenn ihr nicht genug Zeit habt, jemanden zu lieben. Ich habe euch nur einige Jahre auf dem Planeten Erde zu leben gegeben, und wenn ihr die ganze Zeit arbeitet, werden euch diese Jahre einfach durch die Finger rinnen. Deshalb habe ich euch den Sabbat gegeben. Damit ihr euch jede Woche eines jeden Monats eines jeden Jahres daran erinnert, dass Arbeit nicht genügt, um ein Leben zu füllen.

Übrigens gibt euch das Ausruhen am Sabbat auch eine sehr gute Gelegenheit, euch zu versammeln und gemeinsam zu beten und mir für die Erschaffung der Welt zu danken, der Welt, die euch alles gibt, was ihr braucht, um zu leben und glücklich zu sein. Nachdem ich diese Welt gemacht hatte, habe auch ich mich davon ausgeruht. Und wenn sogar ich ausgeruht habe, meint ihr dann nicht, dass auch ihr ausruhen solltet?

Und noch eines zum Schluss: Dieses Ausruhen ist nicht nur für euch gedacht, sondern auch für alle Menschen, die für euch arbeiten. Wenn ihr denkt, dass ihr nach meinem Willen ausruhen sollt, während alle anderen um euch herum arbeiten, dann habt ihr euch getäuscht! Alle Menschen sind nach meinem Abbild erschaffen worden, und alle Menschen müssen sich ausruhen, genau wie ihr. Dasselbe gilt auch für die Tiere, die für euch arbeiten. Auch sie brauchen Ruhe. Und wenn Fremde durch eure Stadt kommen, dann gebt ihnen möglichst auch einen Platz zum Ausruhen und eine gute Mahlzeit. Wahrscheinlich sind sie einsam und wären am liebsten zu Hause.

Arbeitet also hart und arbeitet gut, und ruht euch am Sabbat aus und macht ihn zu einem besonderen Tag. Ihr werdet erstaunt sein, wie schön euer Leben dann sein wird.

Denkt daran! Eure Arbeit ist nur das, was ihr tut, sie ist nicht das, was ihr seid.«

 

Mose hörte alle diese Worte und fasste sie zu folgenden Sätzen zusammen:

Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig! Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel, Erde und Meer gemacht und alles, was dazugehört; am siebten Tag ruhte er. Darum hat der Herr den Sabbattag gesegnet und ihn für heilig erklärt. 

 

Vier

Eltern müssen die meiste Zeit raten, aber sie raten auch fast immer richtig, denn wenn man ein Kind liebt, ergibt sich vieles ganz von selbst. Ich habe die Liebe gemacht, damit das so funktioniert. Sage den Kindern auch, dass ihre Eltern einmal alt werden und dass sie dann für sie sorgen sollen. Das kann für die Kinder harte Arbeit sein. Es kann Geld kosten, und es kann Zeit kosten, aber wenn ein Elternteil eine ganze Schar Kinder versorgen kann, dann sollte auch eine ganze Schar Kinder in der Lage sein, einen Elternteil zu versorgen.

Vergiss nicht, den Kindern zu sagen, dass die prompte Erfüllung der Wünsche ihrer Eltern nur eine Möglichkeit ist, ihnen Liebe und Respekt zu erweisen. Dinge zu tun, die die Eltern nicht verlangen und nicht erwarten, ist manchmal sogar noch besser als zu tun, was sie verlangen und möchten.

  • Eure Eltern ohne besonderen Grund zu umarmen und zu küssen,
  • ihnen zu danken, dass sie für euch Essen einkaufen gehen,
  • ihnen zu sagen, dass ihr stolz auf sie seid und dass ihr findet, sie hätten ihre Sache mit euch gut gemacht,
  • sie bei einem Spiel gewinnen lassen, das ihr besser könnt, als sie,
  • sie um ihren Rat zu bitten, sooft ihr könnt und diesen Rat sogar manchmal zu befolgen,
  • bei ihnen vorbeizuschauen, um eben mal nachzusehen, ob es ihnen gut geht

all das sind wunderbare Möglichkeiten, eure Eltern zu ehren, die weit darüber hinausgehen, dass ihr eure Socken ordentlich aufhebt und euer Bett macht.

Vielleicht ist die beste Möglichkeit, euren Eltern Liebe und Respekt zu erweisen, dass ihr selbst wieder Kinder bekommt und sie gut erzieht. Auf diese Weise können eure Eltern sehen, dass ihr bei ihnen wirklich gut groß geworden seid. Das ist die Hauptsache!

Mose, du musst die Kinder das Wichtigste lehren, was sie über ihre Eltern wissen müssen, nämlich dass sie ohne sie nicht da wären. Schärfe den Kindern ein, nie zu vergessen, dass sie ihren Eltern ihr Leben verdanken, dass sie ihren Eltern das Wissen verdanken, was richtig ist, und dass sie ihnen Hoffnung, Mut und Kraft verdanken. Das Allerwichtigste, was die Kinder über Eltern lernen müssen, ist: Ohne sie wären sie gar nicht da.«

 

Mose hörte all das, aber er hatte nicht genug Steine, um alles aufzuschreiben, darum schrieb er nur:

Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt.

 

Fünf

Dann sprach Gott zu Mose und sagte zu ihm:

»Das Leben ist etwas ganz Besonderes, darum müssen alle lernen, dass ich der Einzige bin, der es geben kann, und der Einzige bin, der es nehmen kann. Weil Leben das Allerbeste ist, ist Mord das Allerschlimmste.

Mord tötet nicht nur einen Menschen, sondern auch alle jene, die von diesem Menschen hätten abstammen können. Mord tötet auch einen Teil des Lebens der Menschen, die den Ermordeten geliebt haben. Mord ist das schlimmste Verbrechen, das ein Mensch begehen kann.

Nun ist nicht jedes Töten Mord. Wenn du einen Menschen töten musst, um dein eigenes Leben zu retten, dann ist das traurig, aber nicht böse. (…) wenn du einen anderen Menschen tötest, um dein Leben zu retten, dann nur, wenn du ganz sicher bist, dass du keine andere Wahl hast. (…) Menschen töten ist etwas sehr Schwerwiegendes, aber manchmal muss es dennoch sein. In den meisten Fällen jedoch lässt du besser die Finger davon, sonst bekommst du großen Ärger mit mir.

Überhaupt soll alles, was lebt, am Leben gelassen werden, außer du musst es töten, um etwas zu essen zu haben, oder du musst es töten, damit es nicht dich tötet. Mir steht es zu, Leben zu geben und zu nehmen, und ich habe euch Menschen die Erde gegeben, damit ihr das Leben schützt, nicht, damit ihr es zerstört. Denkt immer daran, dass jeder Mensch und jedes andere Lebewesen ein Recht auf Leben hat. Dieses Recht auf Leben habe ich allen gegeben und man kann es keinem nehmen. Nicht jetzt. Und zu keiner anderen Zeit.«

 

Mose hörte all das, überlegte ein Weilchen und brachte es doch tatsächlich fertig, es auf diese wenigen Worte zu kürzen:

Du sollst nicht töten. 

 

Sechs

Dann sprach Gott zu Mose und sagte zu ihm:

»Heiraten ist eine ganz besonders heilige Handlung. Wenn man das tut, bedeutet es, dass man den Rest seines Lebens nur mit diesem Menschen als Ehemann oder Ehefrau zuammenleben möchte. Verheiratet sein heißt, dass man nur mit einem einzigen Menschen schläft, und dieser Mensch ist dein Mann oder deine Frau. Es ist also in Ordnung, mit einem Teddy zu schlafen, und es ist in Ordnung, mit einer Kuschelente oder einem Fellhasen zu schlafen, aber es ist nicht in Ordnung, mit jemandem zu schlafen, der mit einem anderen Menschen verheiratet ist.«

 

Mose war verheiratet und wusste das schon, deshalb meißelte er nur diese Worte in den Stein:

Du sollst nicht die Ehe brechen. 

 

Sieben

Dann sprach Gott zu Mose und sagte zu ihm:

»Lehre die Menschen, dass Stehlen böse ist. Stehlen ist böse, weil es einfach nicht in Ordnung ist, einem anderen seine Sachen wegzunehmen. Ihr habt kein Recht, jemandem Sachen wegzunehmen. Ihr habt nur das Recht, euch Sachen zu verdienen. Die meisten Menschen wissen das schon, aber Stehlen wird trotzdem noch ein großes Problem sein, weil es so viele Arten von Stehlen gibt.

Wenn du in einem Geschäft zu viel Wechselgeld bekommst und gibst es nicht zurück, ist das Stehlen. Wenn du etwas verkaufst und behauptest, es sei gut, während es in Wahrheit nur Plunder ist, ist das ebenfalls Stehlen. Wenn du bei einer Klassenarbeit von deinem Nachbarn abschreibst, ist das Stehlen. Wenn du jemandem eine Idee klaust und sagst, es sei deine gewesen, ist das auch Stehlen.

Es gibt viele Arten, zu stehlen, aber es gibt nur eine Art, ehrlich zu sein. Nimm also nichts, was dir nicht gehört, gib zurück, was du aus Versehen bekommst, schwindle den Menschen nicht vor, etwas sei wahr, wenn es nicht stimmt. Wenn du dich daran hältst, bist du auf dem richtigen Weg.

Aber auch wenn du noch so sorgfältig auf deine Sachen aufpasst, wird im Laufe deines Lebens doch irgendwer irgendwie einen Weg finden, dir etwas davon wegzunehmen. Wenn das geschieht, dann ärgere dich nicht so sehr, dass du beschließt, zum Ausgleich jemand anderem etwas zu stehlen. Das Stehlen macht dich ebenso schlecht wie den Menschen, der dich bestohlen hat. Vertraue mir. Werde kein Dieb.

Denk daran, dass ich die Dinge eines Tages in Ordnung bringen werde.«

 

Mose hörte all das und wusste, dass die Menschen es schon verstehen würden, wenn er nur schrieb:

Du sollst nicht stehlen. 

 

Acht

 Dann sprach Gott zu Mose und sagte zu ihm:

»Sage die Wahrheit! Wenn du lügst,  wird dir niemand vertrauen. Wenn du lügst, wirst du bald den Unterschied nicht mehr  wissen zwischen dem, was wahr ist, und dem, was nicht wahr ist. Und wenn du lügst,  werden die Richter nicht gerecht entscheiden können, wen sie ins Gefängnis stecken  und wen sie freisprechen sollen. Der beste Grund dafür, die Wahrheit zu sagen, ist  einfach, dass ich es will, und ich würde es nicht wollen, wenn es nicht das Rechte wäre.

 

Aber, Mose, du musst die Menschen auch lehren, dass es manchmal in Ordnung ist, ein wenig zu schwindeln. Wenn jemand, der nichts Böses getan hat, sich in deinem Haus vor einem Verfolger versteckt, und der Verfolger kommt und fragt, ob dieser Mensch in deinem Haus ist, weil er diesen Menschen zusammenschlagen will, dann sollst du lügen und sagen, dieser Mensch sei nicht in deinem Haus. Denn jemanden zu beschützen, der nichts Böses getan hat, ist wichtiger, als einem brutalen Verfolger die  Wahrheit zu sagen.

Und wenn von deinen Freunden und Freundinnen jemand etwas Neues anhat, das ihm sehr gut gefällt und für das er hart gearbeitet hat, um es sich kaufen zu können, aber du findest, die Sachen sehen doof aus, und wirst gefragt, wie du sie findest, ist es vielleicht besser, zu schwindeln und zu sagen, dass dir die Sachen gefallen. Denn wenn du die Wahrheit sagst, tust du deinem Freund oder deiner Freundin weh.

Auch wenn zwei deiner Freunde sich streiten und eine kleine Lüge hilft ihnen, sich zu versöhnen und wieder gut miteinander zu sein, dann finde ich eine kleine Lüge ebenfalls in Ordnung. Gegen Lügen wie diese habe ich nichts einzuwenden, aber passt gut auf!

Lügen ist eine gefährliche Gewohnheit, sogar, wenn man lügt, damit sich die Menschen besser fühlen oder um jemanden zu beschützen.

Wissen, wann man lügen darf und wann man die Wahrheit sagen muss, gehört zu den verzwickten Dingen im Leben. Ich wollte, ich könnte euch helfen, immer zu wissen, was ihr tun sollt, aber das kann ich nicht. Ihr müsst einfach lernen, das Rechte zu tun. Dieses Lernen macht euch erwachsen. Die Wahrheit sagen ist fast immer das Beste, aber nicht ausnahmslos immer.«

 

Mose hörte all das und wusste, dass es stimmte, aber er wollte nicht auf zehn Steinen jeweils nur ein einziges, langes Gebot stehen haben. Darum schrieb er nur:

Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.

 

Neun und Zehn

Dann sprach Gott zu Mose und sagte zu ihm:

»Sage den Menschen, sie sollen nicht nach dem verlangen, was ihre Nachbarn haben, besonders dann nicht, wenn sich ihr Verlangen auf die Sachen ihres Nachbarn richtet. Ich bin nicht gegen Sachen, aber es gibt wichtigere Dinge in der Welt als Sachen.

Wenn euer Nachbar ein netter Mensch ist, ist es gut, ein netter Mensch sein zu wollen wie euer Nachbar. Wenn euer Nachbar ein tapferer Mensch ist, ist es gut, so tapfer wie euer Nachbar sein zu wollen. Aber wünscht euch nicht die Sachen eures Nachbarn, denn seine Sachen werden euch nicht zu einem besseren Menschen machen.

Das ist überhaupt der springende Punkt bei diesen Zehn Geboten. Es geht darum, euch zu besseren Menschen zu machen, nicht zu Menschen mit besseren Sachen.«

 

Mose hörte all das, aber auf seinem zweiten Stein war nicht mehr viel Platz, und er wusste, dass er nicht mehr als höchstens zwei Steine tragen konnte, daher beendete er die Zehn Gebote mit den folgenden Worten:

Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen. Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, seinem Rind oder seinem Esel, oder nach irgendetwas, das deinem Nächsten gehört.

 

Und nachdem Mose alle diese Worte in den Stein gemeißelt hatte, sagte Gott zu Mose: »Du hast sie genau richtig zusammengefasst, vielen Dank.«