Pastorin Dr. Antoinette Yindjara, Leiterin der Theologenschule in Baboua (wo auch die Bibelschule, Partnereinrichtung unseres Kirchen-kreises, ihren Sitz hat), hat ihren Deutschland¬aufenthalt im August für ei¬nen Kurzbesuch bei uns genutzt. In Wagenfeld hat sie am Café Inter-national teilgenommen; in der Freistätter Kirche hat sie am Sonntag gepredigt. Inzwischen hat uns die traurige Nachricht erreicht, dass Dr. Yindjara auf der Heimreise bei einem Busunglück in Kamerun mit nur 47 Jahren ums Leben ge-kommen ist. So ist aus dem Ge-spräch, das Michael Steinmeyer mit ihr geführt hat, so etwas wie ein Vermächtnis geworden.

M. Steinmeyer: Willkommen bei uns im Kirchenkreis, Dr. Yindjara. Wel-che Botschaft haben Sie für die Ge-meinden unseres Kirchenkreises mitgebracht?
Dr. A. Yindjara: Vor allem dies: Lasst uns die geschwisterliche Ge-meinschaft leben, von der z. B. Lukas in der Apostelgeschichte er-zählt. Lukas erzählt von einer Ge-meinschaft, in der Schwestern und Brüder materiellen und spirituellen Reichtum miteinander teilen. Viele Christen betrachten ihren Glauben als eine rein individuelle Angelegen-heit und meinen, nur die Pastorinnen und Pastoren seien für die Kirche ver¬antwortlich. Sie sind nicht mehr be¬reit, Freude und Sorgen mit den Glaubensgeschwistern zu teilen. Dies Problem gibt es nicht nur hier in Europa, sondern auch bei uns in Afrika. Ja, es ist richtig, dass Jesus empfohlen hat, sich für das persönli-che Gebet zu¬rückzuziehen. Das gemeinsame Gebet in der Gemein-schaft der Schwestern und Brüder ist aber ebenso wichtig – das kön-nen wir bei Lukas lernen.

M. St.: Wir hören in unseren Ge-sprächen und Begegnungen viel von den kriegerischen Unruhen, die seit Jahren das Leben in Zentralafrika bestimmen. Wie kann der Beitrag von uns Christen aussehen, um Frieden und Versöhnung einzu¬üben?
Dr. A. Yi.: Wir wissen, dass ihr hier in Deutschland regelmäßig für den Frieden in unserem Land betet. Und ihr ruft uns an, um uns zu stärken und uns teilhaben zu lassen an dem, was hier bei euch geschieht. Es ist wichtig, dass ihr auch weiter¬hin mit Gott und mit uns im Gespräch bleibt über unsere Si¬tuation. Das gibt uns Kraft, für Frie¬den und Versöhnung in unserem Land zu arbeiten, z. B. in der Arbeit mit Traumatisierten. Und ihr könnt noch etwas tun: Wenn ihr eure Politiker trefft, dann erzählt ihnen von uns und bit¬tet sie, Zent-ralafrika und seine Men¬schen nicht zu vergessen.

M. St.: Seit über 20 Jahren gibt es die gute Praxis des informierten Betens für die Geschwister in Baboua. Wofür sollen wir jetzt zu Gott beten?
Dr. A. Yi.: Betet für unsere Kirchen-leitung! Unsere Kirche ist in einer schwierigen Situation. Sowohl an der Bibelschule als auch an der Theologenschule sehe ich viele Stu-denten, die entmutigt sind. Manche von ihnen denken darüber nach, ihre Ausbildung abzubrechen, oder ha-ben es schon getan. Um diese Ent-wicklung zu stoppen, ist es wichtig, dass die Verantwortlichen kluge und weitblickende Entschei¬dungen tref-fen. Dazu können eure Gebete bei-tragen.

M. St.: Welche biblische Aussage, welche biblische Geschichte ist für Sie persönlich ganz wichtig gewor-den? Erzählen Sie uns ein wenig davon!
Dr. A. Yi.: Im Moment begleitet mich besonders Psalm 1 mit seiner Einla¬dung, nicht dem Vorbild der Frevler zu folgen und nicht den Weg der Sünder zu betreten, sondern über Gottes Wort nachzudenken, sich darüber zu freuen und sich an Gottes Geboten zu orientieren. Wer das tut, sagt der Psalm, der gleicht einem Baum, der am Wasser ge-pflanzt ist und gute Früchte bringt. Diese Verheißung gibt mir Kraft, meinen Weg zu gehen und Kurs zu halten.

M. St.: Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dies Gespräch genommen haben! Wir wünschen Ihnen einen guten Aufenthalt in Deutschland und eine behütete Heimreise. Bitte neh-men Sie Grüße an die Geschwister in Baboua mit! Auf Wiedersehen.
Dr. A. Yi.: Vielen Dank und auf Wie-dersehen!