Mit großer Sorge beobachten wir, dass das Medien- und Suchtmittelkonsumverhalten auch in dem grundsätzlich eher ländlich geprägten Flächenlandkreis Diepholz seit dem Ausbruch der Pandemie deutlich zugenommen hat. Der Leidensdruck der Menschen hat sich um ein Vielfaches erhöht, was die Mitarbeiter zum einen in der Art und dem Verlauf der Gespräche und zum anderen aufgrund der deutlich gestiegenen Nachfrage täglich mitbekommen. Niemals zuvor in der 35-jährigen Geschichte der Einrichtung haben mehr Menschen die Fachstellensprechzeiten wahrgenommen als im Jahr 2020. Auch die Zahl der Patienten, die in der Pandemiezeit eine Therapie begonnen haben, ist mit 50 Personen auf Rekordniveau angelangt. Dies verdeutlicht den enormen zusätzlichen Hilfsbedarf, der durch Corona entstanden ist.

 

Die pandemiebedingten Einschränkungen haben dazu geführt, dass die Belastungen im innerfamiliären Zusammenleben noch größer geworden sind und häufiger zu eskalieren drohen als es ohnehin schon in der Vergangenheit der Fall gewesen war.

Mit dem Projekt „Hör` auf Dich!“ sollen durch verschiedene Maßnahmen des Projektes gezielt Familienangehörige aus suchtbelasteten Familien angesprochen und motiviert werden dringend benötigte Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Mit unterschiedlichen, auf die jeweilige Angehörigengruppen zugeschnittenen Maßnahmen, will die Fachstelle die Familien, die nunmehr verstärkt leiden, insgesamt nachhaltig stärken und für einen besseren Zusammenhalt sorgen. In dem (pandemiegerechte) Angebot geht es vor allem darum, Angehörigen die Chance zum Aufatmen und zur Entlastung zu geben. „Hör` auf Dich!“ soll Angehörigen nachhaltig dazu verhelfen wieder zu sich finden zu können, da dieses im Zusammenleben mit einem suchtkranken Familienmitglied für sie oft verloren gegangen ist und auch die eigene Gesundheit unter der Erkrankung des Betroffenen leidet. Es gilt, den Angehörigen zu zeigen, dass sie in ihrer Situation nicht allein sind und ihnen die Erfahrung zu ermöglichen, sich verstanden zu fühlen und nach geeigneten Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Solange sie mit einem Betroffenen zusammenleben wirkt sich dieses dann auch langfristig positiv auf das gesamte Familiensystem aus. Hinzu kommt, dass die Maßnahmen der Fachstelle darauf abzielen, dass gerade die Angehörigen die Suchtproblematik der betroffenen Familienmitglieder besser einordnen können sollen. Dass es hier um die Entwicklung eines Krankheitsverständnisses für den anderen geht, stellt dabei einen ganz wichtigen Aspekt dar und ist sowohl für die Betroffenen als auch für die Angehörigen hilfreich. Für Kinder ist es außerdem besonders wichtig, die Gelegenheit zu bekommen, ihr eigenes Konsumverhalten (egal ob Medien, Nikotin, Cannabis oder Alkohol) kritisch betrachten können. Wichtigstes Ziel ist es hierbei, einen dauerhaft funktionalisierten Konsum (die Verdrängung negativer Gefühle zum Beispiel) zu verhindern und damit der Entwicklung eines früh entwickelten Suchtverhaltens, wie es gerade für Kindern aus Suchtfamilien eine erhöhte Gefahr darstellt, frühzeitig und nachhaltig vorzubeugen.

Ein wirkungsvoller Ansatz ist hierbei, über attraktive Medienangebote das Interesse der jungen Menschen und den (digitalen) Kontakt zu ihnen zu gewinnen und ihnen nachhaltig funktionierende Problemlösungsstrategien zu vermitteln.

 

 

Für Fragen oder dem Wunsch nach weiteren Informationen melden Sie sich gerne bei uns! Diakonisches Werk Diepholz – Syke-Hoya, Postdamm 4, 49356 Diepholz, Email: diakonie.diepholz-syke-hoya@evlka.de, Tel.: 05441 9879-0