Eine Gruppe in unserer Kirchengemeinde ist die „Blaukreuzgruppe“. Um unseren Lesern einmal die Arbeit dieser Gruppe vorzustellen, hat der WEGWEISER den  Vorsitzenden  Andreas Dubenhorst interviewt:

WEGWEISER: Wie heißt die „Blaukreuzgruppe“ eigentlich richtig?

Andreas: Blaues Kreuz in der Evangelischen Kirche Wagenfeld oder in der Kurzform BKE Wagenfeld. Umgangssprachlich redet man meistens ja vom Blauen Kreuz Wagenfeld. Aber ich achte schon sehr darauf, dass auf das BKE geachtet wird. Es gibt in Deutschland das Blaue Kreuz und das Blaue Kreuz in der evangelischen Kirche. Beide waren im Ursprung eine Vereinigung die sich aber Anfang des 1900 Jahrhunderts aufgrund ihrer Konfessionen getrennt haben.

WEGWEISER: Welche Anliegen und Ziele verfolgt die Gruppe?

Andreas: Der Schwerpunkt der Gruppenarbeit liegt in der Selbsthilfe der Abhängigkeitserkrankungen von Betroffenen und Angehörigen und in der Stärkung der Erkenntnis, dass eine Selbsthilfegruppe die Suchtmittelabstinenz wesentlich erleichtern kann. Gruppenabende können jederzeit vom Thema her aktuell variiert werden. So können auf Wunsch Einzelgespräche stattfinden oder

Betroffene und Angehörige können sich separat austauschen. Die Wünsche der Gruppenmitglieder stehen an erster Stelle. Unsere Selbsthilfegruppe ist vielseitig orientiert. Zahlreiche Aktivitäten tragen zu einer abwechslungsreichen, aber nicht einseitigen Orientierung bei. Als Beispiele können genannt werden, dass traditionelle Veranstaltungen wie Kohl- und Gänseessen, Theaterbesuche, Ausflüge, Fahrradtouren, Spieleabende etc. unternommen werden. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Ausrichtung und Besuche von Seminaren und Vortragsveranstaltungen. Kürzlich erst haben wir uns in einem sehr

interessanten Seminar über Glückspielsucht informiert. Dies zeigt, dass die BKE Gruppe Wagenfeld offen ist für alle Suchtformen und Suchtbereiche. Auch nicht stoffgebundene Abhängigkeiten finden hier ihren Platz. Jeder ist willkommen.

Ein weiterer Aspekt stellt die Öffentlichkeitsarbeit dar. Unsere Anliegen nach außen zu tragen zeigt auch, dass wir uns präsentieren und uns nicht in ein verschlossenes Kämmerlein zurückziehen wollen. Die Selbsthilfegruppe Wagenfeld stellt in zahlreichen Kliniken und Einrichtungen den Wert eines regelmäßigen Gruppenbesuchs dar. Es kann gelingen, dass Einzelne hiervon profitieren und den Weg in eine Gruppe finden. Wir wollen in der Gemeinschaft die Erfahrung, Kraft und Hoffnung teilen, um unsere Erkrankung nicht wieder aufleben zu lassen.

WEGWEISER: Wie ist die Gruppe organisiert?

Andreas: Im Grunde wie ein eingetragener Verein, was wir aber nicht sind. Neben den Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden haben wir eine Kassenwartin und einen Schriftführer, die sich um organisatorische Belange kümmern. Zudem sind wir Mitglied im BKE Landesverband Niedersachsen e.V.

WEGWEISER: Wie groß ist die Wagenfelder Gruppe und aus welchen Gemeinden kommen die Mitglieder?

Andreas: Zurzeit sind 14 Mitglieder in unserer Gruppe und in der Regel nehmen ca. 12 bis 16 Personen regelmäßig an den Gruppenabenden teil. Einzelne Teilnehmer kommen aus Barenburg, Kirchdorf, Heede, Wildeshausen, Tielge und Wagenfeld.

WEGWEISER: Wie oft und wo trefft Ihr Euch und was macht Ihr dann? Gibt es noch andere Aktivitäten?

Andreas: Wir treffen uns jeden Donnerstag um 19:30 Uhr bis 21:00 Uhr im Gemeindehaus. Was wir dort machen und weitere Aktivitäten sind in der Antwort von Frage 2 schon beantwortet. Dazu kommt als Aktivität dann noch das wir uns regelmäßig in den Fachkliniken in  Diepholz, Neuenkirchen und Bassum vorstellen um den Klienten dort den (Mehr)Wert einer Suchtselbsthilfegruppe darzustellen.

WEGWEISER:  Wer kann unter welchen Voraussetzungen bei Euch Hilfe finden?

Andreas: Jeder ist willkommen, als Betroffener oder als Angehöriger. Als Voraussetzung setzen wir eine suchtmittelfreie Lebensweise voraus oder diese sollte angestrebt werden.

WEGWEISER: Was sind Deine Aufgaben als Vorsitzender?

Andreas: In erster Linie vertrete ich unsere Gruppe in der Öffentlichkeit und in diversen Arbeitskreisen der Suchthilfe. Hier z.B. den Arbeitskreis Sucht der Diakonie Diepholz. Dann wäre da noch organisatorische Arbeiten in Form von Anträgen für Pauschale- und Projektförderungen bei den Krankenkassen, um den finanziellen Bedarf unserer Gruppe zu gewährleisten.

WEGWEISER: Magst Du kurz erzählen, wie Du zum BKA gekommen bist?

Andreas: Vor 14 Jahren hatte ich ein einschneidendes Schlüsselerlebnis. Mein Chef erklärte mir in einem ernsten Gespräch: „Andreas, so brauchst du hier zu deiner Arbeitsstelle nicht mehr wiederkommen!“. Meine Frau Peggy stand neben meinem Chef, nickte zustimmend und erklärte mir: ,,Andreas, so brauchst du auch nicht mehr zu mir und deinen Kindern nach Hause kommen!“ Das geschah in meiner noch aktiven Trinkzeit. Dieser eine Moment sorgte dafür, dass ich schlagartig nüchtern wurde. Nüchtern in dem Sinne, dass mir die Augen geöffnet wurden und ich klar sehen konnte, dass ich so auf gar keinen Fall mehr weiter machen konnte. Am nächsten Tag besuchte ich die BKE-Selbsthilfegruppe, zu der meine Eltern bereits viele Jahre gingen und in der mein Vater sogar Vorsitzender war. Das Gespräch mit meinem Chef und meiner Frau war jedoch das Schlüsselerlebnis, das für mich wichtig war, um mein Leben wieder in die eigenen Hände zu nehmen.“

Lieber Andreas, vielen Dank für Deine ausführlichen und interessanten Antworten. Ich hoffe, dass unseren Lesern klar wird, wie wichtig und wertvoll Eure Arbeit ist. Danke auch für Deine offenen persönlichen Worte. Du und die ganze Gruppe verdienen unseren größten Respekt!