„Wir sind beeindruckt, dass es in Deutschland Pflegeeinrichtungen gibt, die sich um alte und demenzkranke Menschen kümmern. Aber. . . Wieso leben denn die alten oder kranken Men­schen nicht bei ihrer Familie?“ Das war nur eine von vielen Fragen, die wir unseren Gästen von der Bibelschule Baboua (Zentralafrikanische Republik) bei ihrem dreiwöchigen Besuch im September zu beantworten versuchten.

Nachdem der Besuch im Vorjahr aufgrund von Problemen bei der Visabeschaffung noch ab­gesagt werden musste, waren sie jetzt im Kirchenkreis zu Gast: Alfred Kombo (55), Pastor und Direktor der Bibelschule; Junior Gbabou-Legba (22), Student an der Bibelschule; Agnès Lambousa (42), Hausfrau und Ehefrau eines zu Hause gebliebenen Studenten; Privat Gbayombo (31), Mechaniker aus Ndiba; Sidonie Ndanda (40), Hebamme in der Geburtshilfe der lutherischen Krankenstation in Gallo; und Paul Halate (53), Pastor und Dozent an der Bi­belschule.

Drei Wochen lang lebten die sechs bei Gastgebern im Kirchenkreis. Die Verständigung lief auf Französisch, aber oft auch einfach mit Händen und Füßen – und klappte ausgesprochen gut.

Die Gäste besuchten Einrichtungen, Angebote, Kreise und Ausschüsse, Veranstaltungen, Gottesdienste und Konzerte im Kirchenkreis – und waren beeindruckt: „Wie groß und stabil hier alles ist! Allein die Häuser: Dass manche Bauernhöfe oder Gebäude so gebaut sind, dass sie schon seit über 100 Jahren stehen!“, staunten sie. „Aber auch die Größe der Felder. Und wie hoch der Mais hier ist. Der ist in Zentralafrika viel kleiner. Was macht ihr denn mit so viel Mais?“ Dass ein großer Teil davon weder Menschen noch Tieren als Nahrung dient, son­dern zur Energiegewinnung genutzt wird – damit hatten die Gäste nicht gerechnet.

Die Gäste sahen sich diakonische Angebote an wie „Bethel im Norden“ in Freistatt, die be­treute Wohnform für Mütter und Kinder des „Sozialpädagogischen Zentrums“, die Über­nachtungsstelle „RastHaus“, das Migrationsprojekt „AkzepTanz“ in Diepholz, das Diakonis­sen-Mutterhaus Lemförde, das evangelisch-lutherische Missionswerk und die Fachhochschule für Interkulturelle Theologie Hermannsburg. Sie begutachteten die Jugendarbeit des Kirchen­kreises und Betriebe in der Region, waren zu Gast in der „Siebenhäuser Molkerei“ in Rehden, in einer Imkerei in Bahrenborstel und auf dem Wasserbüffelhof in Warpe. Ein großer Wunsch der sechs war es, im Reformationsjubiläumsjahr nach Wittenberg zu reisen, wo sie historische Lutherstätten anschauen konnten.

 

Aber auch lokale Projekte der Kirchengemeinden interessierten sie – Angebote der Flücht­lingshilfe etwa, wie das „Café International“ in Wagenfeld. Nur wenige Menschen, so wuss­ten sie zu berichten, machen sich von der Zentralafrikanischen Republik aus auf den Weg nach Europa. So bestätigt sich auch hier das, was wir in den Nachrichten hören: Dass die meisten Geflüchteten gar nicht erst nach Europa kommen, sondern in den Nachbarländern bleiben und nicht weiterkommen.

Nach drei Wochen haben sich unsere Gäste mit einen großen Wunsch verabschiedet: „Wenn bei uns wieder richtig Frieden ist, hoffen wir auf einen Gegenbesuch!“

Michael Steinmeyer, Pastor in Wagenfeld und Vorsitzender des Partnerschaftsausschusses (unter Verwendung eines Artikels von Miriam Unger aus „Wir. Leben. Glauben“)

Mit Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer und Dr. Karen Schmitz vor dem Landeskirchenamt
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