Mbalu hat keine Zeit, zur Seite zu schauen, wo eine Handvoll Kinder toben und singen. Es ist Nachmittag und drückend heiß in Maducia, einem Dorf im Yoni Chiefdom im Zentrum Sierra Leones. Mit aufrechtem Schritt eilt Mbalu über den Dorfplatz; auf dem Kopf balanciert sie eine Schale, bis oben gefüllt mit Tabak und Kolanüssen. Jeden Tag dreht sie die gleiche Runde, ein bis zwei Stunden braucht es dafür.

„Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit zum Spielen mit meinen Freundinnen, aber ich weiß, dass meine Oma Hilfe braucht“, sagt Mbalu. Sie ist erst acht Jahre alt und Vollwaise. Ihre Eltern starben am Ebola-Virus, wie so viele Menschen hier in der Region. Seither kümmern sich ihre Großeltern um sie.

So wie Mbalu ergeht es zwei Drittel der Kinder in Yoni Chiefdom: Sie schuften auf Märkten, schleppen Säcke. Sie kümmern sich um den Haushalt, ackern auf Reisfeldern. Viele gehen nicht in die Schule – oder nur an einem Tag in der Woche.

Die lokale Hilfsorganisation SIGA (Siera Grassroots Agency), eine Partnerorganisation von Brot für die Welt, hat die Vollweise Mbalu Tarawallie (8 Jahre) mit den wichtigsten Schulutensilien, wie einer Schuluniform, einem Rucksack, Schreibheften, sowie Stiften und Radiergummis ausgestattet.

„Es ist die pure Not, die die Angehörigen dazu treibt“, sagt Mohammed Jalloh. Er arbeitet bei der Siera Grass-roots Agency, kurz SIGA, einer Partnerorganisation von Brot für die Welt. Sie ermöglicht Jungen und Mädchen in die Schule zu gehen und hilft den Eltern, ihr Einkommen zu erhöhen.

Herr Jalloh sprach bei seinen Besuchen mit der Großmutter über Mbalus Zukunft. Anfangs schien es undenkbar, doch nun schlüpft sie in ihre blaue Uniform, die sie von SIGA bekam, ebenso wie Hefte und Stifte, und schultert ihren bunten Rucksack. Mbalu wirkt wie verwandelt.

„Wenn ich groß bin“, sagt sie, „werde ich ein Haus bauen für meine Familie. Ich möchte Ärztin werden.“ Mbalu weiß, dass noch ein langer Weg vor ihr liegt. Doch sie weiß auch, dass ihre Träume nun nicht mehr unerreichbar sind.

 

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